Meine Geschichte
07.11.08
Mit 16 Jahren habe ich angefangen eine Unmenge an esoterischen Büchern zu verschlingen. Ich dachte je “spiritueller” umso besser. Nur habe ich damit auch gleichzeitig gedacht, dass alles andere weniger gut ist. Ich habe viel meditiert und auf irgendwelche Zustände von Liebe gewartet. Ich glaubte genau zu wissen, was die Liebe ist, die ich suchte. Ein Gefühl von Liebe, das ich irgendwann mal durch eine Erfahrung so definiert hatte. Immer war damit auch verbunden, dass ich vielleicht kein Fleisch essen sollte, weniger Süßigkeiten, nicht soviel aufregen über andere und mehr von dem Schmarrn. Also so eine Art “heilig” sein mit dem Ausschluss von allem was als “nicht gut” bewertet wurde.
Ich las viel auch über Erleuchtung, und dachte dann an Erleuchtung als ein Ziel. Es war immer die Rede, dass man dann die Probleme der Welt anders sieht, vermutlich in immerwährender Glückseeligkeit auf Wolke 7 durch die Gegend läuft.
Der Versuch etwas in spiritueller Hinsicht zu erreichen, wurde dann auch gleichzeitig sowas wie Weltflucht. Weil ich mit verschiedenen Dingen hier auf dem Planet nicht so klarkam, dachte ich wohl dass es was geben muss, was die Sache erleichern würde.
Ich habe mit 23 mich dann sowas von verliebt und habe diesem Mensch, mein ganzes “Leben” in die Hand gegeben. Ich war auch so überzeugt von der Liebe, dass ich dachte unbedingt ein Kind haben zu wollen. Es war ein Jahr mit diesem Mensch, als würde mein Leben stagnieren, es ist nichts mehr passiert und ich saß in meiner eigenen scheinbaren kleinen Hölle. War oft mehr krank als gesund. Habe viele Dinge einfach geglaubt. Erst als ich mit meinem Kind allein da saß und auf ihn wo warten mußte, habe ich verschiedene Dinge erfahren, die meine Welt aus Illusion zum Einsturz brachte.
Es war wie ein Absturz in ein tiefes Loch, ich war dort hilflos, ich besaß auch nichts mehr (1 Schwangerschaftslatzhose), hatte ein kleines Baby im Arm, einen Haufen Schulden und fühlte mich so wie ich mir einen Entzug vorstellen würde. Ich war nur am zittern, hab 15 kg abgenommen und wußte eigentlich nicht mehr was jetzt wahr ist, oder was ich mir habe erzählen lassen.
Ich war auf mich selbst zurückgeworfen. Aber ich wußte nicht was zu tun ist. In dieser tiefen inneren Finsternis habe ich gebetet, ich habe wie meine Freundin sagte alles Gott auf den Tisch gepackt und habe losgelassen. Ich konnte ja nichts mehr tun vorerst. Ich mußte vertrauen, dass alles irgendwie weitergeht. Von diesem Punkt an brachte mir das Leben zu jeder Zeit die richtigen Leute, die mir weiterhalfen. Klar ich bin oft scheinbar verzweifelt, es gab viel in Ordnung zu bringen, aber trotzdem war alles oder alle da die oder das benötigt wurde. Ich mußte auch sehen, wie arrogant es von mir damals war zu glauben, dass ich die Weisheit mit Löffeln gefressen hatte. Diese ganzen esoterischen Dinge von damals waren auch absolut uninteressant. Ich bin nochmal auf einer Esomesse gewesen, weil eine Freundin dort Aurabilder macht, aber ich stand da und konnte das alles nicht so fassen. Da hat ein jeder scheinbar das große Heil für sich entdeckt gehabt und wollte das den anderen “verkaufen” aber irgendwie fühlte es sich “fern von der Welt” an.
Vor einem Jahr fiel mir dann ein Buch von Satyam Nadeen in die Hände und ich dachte einfach, das ist es, das hast du gesucht. Es entsprach dem was ich mit dem Verstand so glaubte. Aber so richtig wußte ich nicht, von was da gesprochen wurde.
Noch immer habe ich darauf gewartet, dass wohl ein Blitz oder was ähnliches bei mir einschlägt und ich auf einmal irgendein tolles Erleuchtungserlebnis haben würde. Ich habe auch geglaubt, dass ich auf ein bestimmtes Gefühl von Liebe warte. Es sind so viele Vorstellungen mit diesem Begriff Liebe verbunden.
Mit zwei “Erleuchteten” habe ich mich lange Zeit per Mail unterhalten. Einen habe ich kennengelernt. Satsangs habe ich besucht. Nicht sehr oft. Bis ich gedacht habe, dass das alles wieder an Weltvermeidung grenzt. Ich hatte immer noch den Glauben, dass es irgendwie was besseres gibt, als mein Leben, das mir so leer und langweilig vorkam. Ich wollte auch nie Gefühle, die von mir als “schlecht” bewertet wurden, wie z.B. Wut oder Traurigkeit. Ich habe dann aufgehört Bücher zu lesen, die irgendwie mit diesem Thema zu tun hatten.
Vier Monate später kam immer wieder der Gedanke auf, mir bei Amazon endlich das zweite Buch von Pyar zu bestellen. Da der Wunsch nicht verschwunden ist, hab ich gedacht, was solls, ist ja eh egal ob Du es liest oder nicht und hab auf der Homepage von Samarpan noch sein Buch in deutscher Sprache entdeckt. Das habe ich mir dann gleich mitbestellt.
………und zuerst gelesen. Ich habe beim Lesen gelegentlich eine sanfte Liebe gespürt. Irgendwann sprach er in einem Satsang davon, dass das “ich” nur aus Vorstellungen besteht, dass es gar nicht existiert. Auf einmal wurde mir bei den Worten klar, dass das die Wahrheit ist. Ich kann nicht sagen, ich habe es verstanden, wie man es normal versteht, sondern es war mehr ein Erkennen von Innen heraus. Es war eher so als haben meine Gedanken auf einmal aufgehört, es war mucksmäuschenstill. Ich konnte einfach nicht weiterlesen, lag auf der Couch über das Buch gebeugt und schaute auf die Seiten. Ich konnte auch gar nicht lesen, weil vor meinen Augen zwar Buchstaben waren, aber diese hatten keine Bedeutung.
Ich war irgendwie verschwunden und doch war ich da. Obwohl es mich nicht gab, war es als wäre ich in einer Präsenz, die gleichzeitig in allem um mich herum auch war. Ich habe es jetzt auch über einen Monat aufgeschoben, es aufzuschreiben, weil ich gar nicht weiß wie ich “es” beschreiben soll. Nicht da-sein und doch Bewusst-sein???
Die einzigen Wörter die mir dazu einfallen (von tausenden schon gesagt): friedliche Stille. So zart und ruhig, dass ich es mit den lauten Gedanken nie bemerkt hatte.
Ich muß sagen, dass ich keine Ahnung habe und keine Worte dafür. Ich weiß derzeit nur, dass meine Suche aufgehört hat. Ich habe am nächsten Tag und vielleicht noch so 2 bis 3 Tage in einem Zustand gelebt, in dem es nur Jetzt gab, Jetzt und wieder Jetzt. Meine Vergangenheit, war unerheblich, eine Geschichte. Meine Zukunft nur noch Gedanken. Selbst diese waren bis auf sehr naheliegende Dinge verschwunden. Ich spürte gelegentlich ganz zart ein leises Gefühl von Freude oder Dankbarkeit oder Liebe. Ich hatte in meinem Unterricht sogar manchmal Probleme mich zu konzentrieren, habe auf die Aufgaben geschaut und konnte diese nicht lösen. Meine Lehrerin und die Klasse machten Witze, weil ich sonst immer so schnell war. War aber auch kein Problem. Es schien alles so einfach zu laufen, wenn man sich nicht so viel Gedanken macht. Es war auch manchmal viel Energie da, wenn ich irgendwas erledigen wollte. Ich schlief wenig, war nachts mehr wach oder in einem Halbschlaf und am nächsten Morgen hatte ich keine Schwierigkeiten wie sonst aus dem Bett zu kommen. Alles schien leicht und so stinknormal zu sein. Trotzdem hatte sich nichts verändert.
Der einzige Unterschied scheint jetzt zu sein, dass ich weiß, dass ich die ganze Zeit irgendetwas hinterhergelaufen bin, was es nicht gibt. Scheinbar auf der Suche nach einem anderen Leben. Ich saß auch manchmal da und war traurig darüber, dass ich die ganze Zeit so gesucht hatte. Es kam mir vor als war die Suche eine riesige Selbstverleugnung. Ablehnung meines Lebens und da mir klargeworden ist, dass es nur das Leben ist/gibt, auf das es ankommt, fühlte ich eine tiefe Trauer, so als hätte ich versucht, vor Gott wegzulaufen. Gott ist alles, was ist……wie davonlaufen.
Gleichzeitig fand ich es aber auch ziemlich witzig, dieses Versteckspiel. Ich mußte mich zwar nicht totlachen, wie ich das bei einigen anderen gelesen hab. Es war mehr wie so ein: “huch, es gibt ja wirklich kein ich”, und ich mußte schon über mich selbst grinsen, als ich alte Mails gelesen habe, die ich geschrieben habe. Wie bierernst ich mich selbst gesucht habe. Ich habe auch die Antworten, von den Leuten, die mir helfen wollten die Suche zu beenden zum ersten Mal verstanden. Zum Kaputt Lachen, war eher das Zeug, was ich die ganze Zeit so im Verstand über eine “Erleuchtung” produzierte.
Ja und aufeinmal scheint wirklich alles wie immer zu sein, alles wieder so leer wie vorher und gar nicht immer so leicht nur mit dem Unterschied, dass das was ich früher so als langweilig nicht haben wollte, jetzt überhaupt kein Problem mehr ist. Nur am Anfang war ich irgendwie verstört, dass diese “Wahrheit”, die ich gefunden hatte wieder “weg” zu sein schien. Auch wenn ich weiß, dass das nicht geht. Es ist immer da. Es wird nur einfach durch den Alltag “überdeckt”. Da fing es auch schon an, wieder dieses Bewerten, in: das will ich so haben und das will ich nicht so haben. Wieder die Erwartungshaltung, wie es zu sein hat. Wieder der Gedanke, dass Freude gut ist und Ärger und Traurigkeit nicht gut ist. Doch ich bin die Stille und in der Stille gibt es eben so allerhand Gefühle und Gedanken die da auftauchen.
Erleuchtung ist für mich nun ein Wort, mehr nicht. Erleuchtung weckte Hoffnungen in mir auf ein anderes Leben. Ein Leben das scheinbar ohne Probleme ablaufen sollte. Wie langweilig. So etwas gibt es nicht.
Hätte mir das jemand vorher gesagt, ich hätte es vermutlich nicht geglaubt. Es ist so, wie mit allem im Leben. Man muss es selbst erfahren.
Ich weiß nur nicht, was ich erfahren habe. War da überhaupt etwas? Ich hatte einen Einblick.
Dachte ich zumindest. Vielleicht war es auch nur eine Täuschung. Einfach eine Bestätigung dessen, was ich sowieso immer geglaubt habe.
Nur dazu hat es sich so wirklich angefühlt. Erleuchtung scheint ein Wort zu sein, für jede Menge Erwartungen. Dabei ist es was ganz anderes. Es ist ein näherkommen zu sich selbst. Und das ist auch schon wieder komplett falsch ausgedrückt. Aber es ist „Freundschaft schließen” mit dem eigenen Leben.
Das Leben wird gelebt, weil es so ist, weil es so sein muss. Es erleichtert ungemein wenn die Suche wegfällt.
Es gibt kein Erreichen, kein Stillstand von irgendwas. Es geht weiter und weiter. Fast kommt es mir so vor, als tauchen die Themen, mit denen ich mich früher beschäftigte jetzt wieder auf. Es scheint wie eine Auswertung zu sein, wie ich jetzt zu den Themen stehe.